>>>> Aufruf zur Reform Demo ! < <<<

In Spiegel-Online vom 05.08.2011 wird Sachsen-Anhalt als Hochburg des Rechtsextremismus beschrieben. Im neuesten Verfassungsschutzbericht heißt es, dass Sachsen-Anhalt bei „politisch rechts motivierten Gewalttaten mit extremistischem Hintergrund“ bezogen auf die Einwohnerzahl an erster Stelle liegt. Seit die rechtsextreme NPD bei den Landtagswahlen im März an der Fünfprozenthürde scheiterte, dominieren militante Neonazi-Kameradschaften die Szene. „Sie sind jetzt der aktivistische Kern“, sagt der Magdeburger David Begrich von Miteinander e.V., dem Netzwerk für Demokratie und Weltoffenheit. Im Bericht des Landesverfassungsschutzes Sachsen-Anhalt heißt es, dass den Kameradschaften „ein vom historischen Nationalsozialismus geprägtes Weltbild eigen“ sei. „Wenn es ein Beispiel dafür gibt, wie Rechtsextremisten in die Mitte der Gesellschaft drängen, dann ist es Lutz Battke“, sagte Rüdiger Erben, Staatssekretär im Magdeburger Innenministerium im Februar. Jahrelang trainierte der bekennende Rechtsextremist Battke in dem kleinen Ort Laucha an der Unstrut den Fußballnachwuchs des Vereins BSC 99. Viele Eltern hatten offenbar kein Problem damit, dass Battke den Jugendlichen seine rechtsextremen Überzeugungen vorlebte. Bei der Wahl zum Bürgermeister erhielt er als Kandidat der NPD 24,2 Prozent der Stimmen. Der BSC 99 hat Battke inzwischen suspendiert. Einer seiner Jugendfußballer hatte im April 2010 einen 17-jährigen Israeli zusammengeschlagen und als „Judensau“ beschimpft. Rechte Politik liefert Feindbilder und bietet die Legitimation zur Gewalt gegen Migranten und linksalternative Jugendliche und zeigt darin sein besonders hässliches Gesicht.

Der Magdeburger Stadtteil Reform ist bekannt für rassistisch motivierte Gewalt und Überfälle von Neonazis auf Linke und Migranten. Das „KJFE Banane“ im Quittenweg wird von einer Gruppe als ihr Club bezeichnet, die sich „Reformer Jungs“ nennen. Die Reformer Clique dominiert ihr Viertel und den ansässigen Jugendclub „KJFE Banane“. Bei Überfällen auf Linke und Migranten tragen „Reformer Jungs“ provokant den Namen der Clique auf T-Shirts und Jacken. Hausbesuche bei linksalternativen Jugendlichen in Reform gehören zu den Tätigkeitsfeldern der „Reformer Jungs“. Auch sonst sind sie immer für eine „gelungene“ Aktion zu haben. So sind Mitglieder der „Reformer Jungs“ zusammen mit den rechten FCM-Fans, die sich selbst als Sportgruppe bezeichnen und „Adrenalin“ nennen, verantwortlich für den Übergriff auf eine Gruppe Linker am 12. 09.10 an der Reformer Endhaltestelle. Auch ein weiterer Übergriff an diesem Tag auf eine andere Gruppe Linker scheint ihr Werk gewesen zu sein. Das ist allerdings nicht alles, denn auch der Funpark in Reform wird von ihnen als ihr Gebiet betrachtet. Der Funpark in Magdeburg erlangt 2007 bundesweite Bekanntheit durch den Mord an Rick Langenstein. Der bereits vorbestrafte Reformer Bastian O. schlug den 21- jährigen Kunststudenten nach einem Funparkbesuch tot. Als Grund gab der bekennende Faschist O. an, Rick hätte ihn als Nazis beschimpft und eine Zigarette verweigert. So sind bekennende Nazis der „Reformer Jungs“ und „Adrenaliner“ im Funpark wie auch in Reform anzutreffen. Im Döner Royal am Reformer Marktplatz sind in zwei Jahren sieben mal die Scheiben eingeworfen worden. Der Dönerimbiss an der Endhaltestelle der Straßenbahn ist nach einem Brandanschlag komplett zerstört. Auf Grund der Schmiereien an beiden Objekten sind rassistische Motive anzunehmen. Schülerinnen des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in der Apollostraße werden auf dem Nachhauseweg rassistisch beleidigt, beschimpft und misshandelt. Auch der Verein Child abuse fight ist im Quittenweg in Reform ansässig. Der Verein schreibt sich den ‚Kampf gegen Kinderschänder‘ auf die Fahnen. Die politische Forderung des Vereins ist eindeutig: Todesstrafe für ‚Kinderschänder‘. Die Forderung nach der Wiedereinführung der Todesstrafe für Pädophilie und Missbrauchsvergehen an Kindern bietet beste Anschlussfähigkeit für neonazistische Ideologie, findet sie sich doch ebenso im NPD-Parteiprogramm und auf etlichen Transparenten bei Naziaufmärschen. Child Abuse Fight ist keine reine neonazistische Initiative, überschneidet sich aber sowohl inhaltlich als auch personell mit der Magdeburger Naziszene.

In diesem Klima von Rassismus und Gewalt gibt es genug Potential für gewaltbereite Cliquen und ihre Exzesse. Reform steht mittlerweile im Ruf ein NoGo-Area für Linke und Migranten zu sein. Ein sozialer Brennpunkt ist das destruktive Umfeld für frustrierte und rassistische Jugendliche, um sich in Gewalt zu flüchten. Immer wieder werden auch unpolitische Jugendliche angesprochen, welche durch regelmäßige Gewaltexzesse in Magdeburger Kneipen auffallen. Sie werden aufgefordert, sich an „Aktionen“ zu beteiligen und ihre „Kräfte zu messen“. Klar ist, die Aktivitäten im Bereich der „Nachwuchsförderung“ ist erfolgreich. So werden Überfälle auf Linke auch als „Mutprobe“ für die Neumitglieder angesehen, als „Training“, bei dem sie sich beweisen müssen, um akzeptiert zu werden und um das Gewaltpotential weiter auszubauen. Mit aggressiven Gruppenerlebnissen wird auch der Schulterschluss mit regionalen Hooligangruppen vorangetrieben.

Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, die besondere Bedeutung des Magdeburger Stadtteils Reform für die Magdeburger Neonaziszene in den Fokus der Aufmerksamkeit zu rücken und rufen zum Aktionsbündnis mit Themenschwerpunkt „Gegen rechte Gewalt in Reform“ auf.

>>>> Child Abuse Fight (Reformer Verein, Eine Gruppe gegen Kinderschänder.) < <<<

Zum 18. Juni 2011 rief der als gemeinnützig anerkannte Verein Child Abuse Fight e.V. zu einer „Menschenkette gegen Kindesmissbrauch“ auf. Das selbst gesteckte Ziel war eine 1 km lange Strecke durch die Magdeburger Innenstadt. Die schätzungsweise 80 Teilnehmenden reichten bei weitem nicht aus. Es beteiligten sich auch stadtbekannte und gut erkennbare Neonazis.
Antifaschist_innen verteilten im Umkreis der Menschenkette Flyer, welche sachlich über Kindesmissbrauch informierten und sich von Gruppen wir Child Abuse Fight distanzierten.
Child Abuse Fight

Der Verein mit Sitz im Quittenweg 23 (Magdeburg) schreibt sich den ‚Kampf gegen Kinderschänder‘ auf die Fahnen. Auf der Seite der Initiative gibt es neben einer ‚Mailberatung‘ auch einen umfangreichen Onlineshop für Kleidung und Autoaufkleber. Highlights sind dabei Aufdrucke wie ‚Erst wenn auf dem Stuhl seine Adern beben, werden unsere Kinder sicher leben‘ sowie verschiedene Galgen-Motive. Die politische Forderung des Vereins ist eindeutig: Todesstrafe für ‚Kinderschänder‘.

Inhaltliche Schnittmenge mit neonazistischer Ideologie

Die Forderung nach der Wiedereinführung der Todesstrafe für Pädophilie und Missbrauchsvergehen an Kindern bietet beste Anschlussfähigkeit für neonazistische Ideologie, findet sie sich doch ebenso im NPD-Parteiprogramm und auf etlichen Transparenten bei Naziaufmärschen.
Ebenso passt die populistische Herangehensweise ins Repertoire der Nazis: auf ein möglichst emotional aufgeladenes Konfliktfeld wird mit einem einfachen und ‚radikalen‘ Lösungsvorschlag reagiert, welcher sich dazu noch vom ‚demokratischen Konsens‘ abhebt. Im speziellen Fall des Kindesmissbrauchs wird auf den Seiten von Child Abuse Fight nicht weiter darauf eingegangen, dass die meisten Täter nahe Verwandte der betroffenen Kinder und in vielen Fällen Kindesmissbrauch in Mittäterschaft der Eltern passiert. (Zimmermann 2010) Anstatt sich der Komplexität der Problematik zuzuwenden und damit tatsächlich Kindesmissbrauch vorzubeugen, wird die Bestrafung der Täter – nach erfolgtem Missbrauch – in den Vordergrund gerückt.

Nazis im nahen Umfeld des Vereins

Offiziel wird Child Abuse Fight e.V. nicht von Nazis sondern von anderen sympathischen Gruppen wie den Bandidos Ulm oder dem Tuningclub ‚Waffenschmiede Vierlande‘ unterstützt. Für die Menschenkette wurden die Teilnehmenden vorher im Internet darauf hingewiesen, dass das ‚tragen und mitbringen von politisch extremen Material und Kleidung‘ untersagt sei. Der Verein sei ‚unpolitisch‘, heißt es auf der Seite. Dennoch waren etwa ein Viertel der Teilnehmenden offensichtlich Neonazis – darunter Frank Hoffmann und Steffen Harbke, Mitglieder der Nazi-Hooligan-Gruppe ‚Adrenalin‘.

Fazit

Child Abuse Fight ist keine reine neonazistische Initiative, überschneidet sich aber sowohl inhaltlich als auch personell mit der Magdeburger Naziszene. Die Menschenkette am 18. Juni war die erste öffentliche Aktion – es bleibt zu beobachten, wie sich diese Grauzone weiter entwickelt.

Bilder gibt es auf Indymedia :

Quelle : http://de.indymedia.org/2011/07/312195.shtml